...ändert ein Fan seine Meinung!

Alle elf Minuten verändert sich in dieser Viertelfinalserie das Spielgeschehen. Erst sind die THOMAS SABO Ice Tigers am Drücken und lassen die Kölner Haie nicht aus der offensiven Zone kommen, dann dominieren die Haie einzelne Phasen und bescheren zahlreichen Nürnberger Fans enorme Risiken eines oder sogar mehrerer Herzinfarkte. Gefühlt alle elf Minuten führt Rob Wilson einen neuen Kaugummi in seinen Mund ein, um den enormen Druck zu kompensieren, der seit dem ersten Spiel auf dieser Mannschaft lastet. Alle elf Minuten schüttet Niklas Treutle erotisch sein bestimmt schmackhaftes Getränk über sein Gesicht. Noch viel schlimmer und unerotischer als das sind aber so manche Fans der THOMAS SABO Ice Tigers, die ebenfalls alle elf Minute eine Aktion ausführen, die eher kontraproduktiv ist: Meinungswechsel. Zu Beginn des Spiels sind sie alle euphorisch, in der elften Spielminute haben wir Sommerpause, elf Minuten später werden wir Meister. Rob Wilson ist ein Held, elf Minuten später möchte man ihn entlassen. Niklas Treutle bringt das Hallendach zum Abheben, elf Minuten später ist er der „Hau den Lukas“ auf Facebook. 7700 Zuschauer erschaffen die beste Atmosphäre, die man in dieser Saison in der Arena erleben durfte – elf Minuten später haben sie das alle vergessen. Da fragt man sich schon: Was soll das und warum ist das so? Am Besten nehmen alle diese Kritiker das Regelbuch der Deutschen Eishockey Liga in die Hand und lesen nach, wann eine Play Off Serie beendet ist. Unter ganz günstigen Bedingungen könnten sie feststellen, dass die Mannschaft von Rob Wilson noch nicht raus ist und die fette Lady noch kein Ticket nach Nürnberg gebucht hat. Kritik und bloße Beleidigung ist übrigens ein Unterschied: Heute sind die Spieler Idioten, sollen auf die Tribüne, das Weite suchen oder am Besten nochmal das Schlittschuhlaufen lernen. Sie kämpfen nicht für diese Stadt, ihnen ist alles egal und vor allem agieren sie lustlos. Schon klar. Blöd nur, dass sie am nächsten Tag doch wieder alle Helden werden.

Thomas Sabo war nach dem verlorenen Heimspiel mit bösem Gesichtsausdruck in die Kabine gegangen, kam nach wenigen Sekunden wieder heraus und wechselte ein paar ruhige Worte mit dem Assistenztrainer Mike Flanagan. Gehört hat man vor der Kabine nichts und das obwohl das Fluchen so mancher Spieler doch etwas lauter durch den Gang hallte. Ob Thomas Sabo der Mannschaft seine Ansichten mitgeteilt hat, wissen nur die Spieler und er selbst. Gehört hat man aber nichts und das lässt hoffen, dass Herr Sabo in dieser Saison verstanden hat, dass es besser ist, sich manchmal nicht einzumischen und den Verantwortlichen die Arbeit machen zu lassen. Thomas Sabo selbst wird den Ausgang dieser Serie sowieso nicht beeinflussen können.

Dane Fox und die Kölner Haie. Was ist das für eine fantastische Liebesromanze. Erst der ominöse Mittelfinger in Richtung der Kölner Südkurve und dann auch noch eine Stichelei nach der Anderen ab der ersten Spielminute des vierten Spiels. Aber nicht nur das: Auch das 0:1 hatte er für das Kölner Publikum parat, dass im ersten Drittel doch recht verhalten war und kaum Stimmung machte. Das 0:1 von Dane Fox war enorm wichtig für das komplette erste Drittel. Eugen Alanovs unnötige Strafe hätte, ohne Danes Treffer, das 1:0 für die Hausherren bedeutet. So war der Gegentreffer in Unterzahl nur der Ausgleich. Für Eugen Alanov sind Play Offs vielleicht eine Nummer zu groß, Play Offs in der Starting Six wahrscheinlich ziemlich sicher. Dennoch gibt er alles und ist mit voller Leidenschaft dabei.

Foto: Birgit Eiblmaier
Foto: Birgit Eiblmaier

Spielerisch braucht es dann doch noch ein paar Saisons. Die IceTigers gaben sich nach dem Gegentreffer (zum Glück) nicht geschlagen und machten weiter Druck auf die Defensive der Haie, die extrem unsicher wirkten und hier und da Fehler machten, die wir bislang aus dieser Serie nicht kannten. So kamen die IceTigers immer wieder zu Puckeroberungen und guten Schussmöglichkeiten. Am erfreulichsten war der Schuss von Brandon Segal, der sich am schnellsten orientierte und zum (verdienten) 1:2 für Nürnberg einschoss. Wieder dabei: Dane Fox. Dane Fox war immer überall und machte definitiv das beste Drittel seiner Saison. Chapeau, monsieur Fox!

Die Kölner Haie waren im Mittelabschnitt etwas müde und machten noch mehr Fehler, als im ersten Drittel beide Mannschaften zusammen. Ausnutzen konnten das die THOMAS SABO Ice Tigers aber nicht und das obwohl die Mannschaft von Rob Wilson acht Sekunden doppeltes Power Play zur Verfügung hatte und Dane Fox dabei leider nur die Latte traf. Das Power Play war schlecht. Anders kann man das leider nicht sagen. Die

Ice Tigers konnten die wahrscheinlich beste Möglichkeit auf den Ausgleich in der Serie nicht nutzen. Köln machte es besser und glich acht Sekunden vor Schluss durch Ryan Jones aus. Das hätte nicht passieren dürfen. Das war unnötig.

Neben dem seltsamen zweiten Drittel, in dem die Ice Tigers erneut an der eigenen Chancen Verwertung scheiterten, fielen vermehrt die Kommentatoren auf. Patrick Bernecker und Daniel Kreutzer waren definitiv nicht Play Off – reif. Köln ist eine schöne Stadt, man darf auch durchaus seine Lieblings Vereine haben (auch als neutraler Reporter). So kommentieren muss man aber nicht. Da merkte tatsächlich auch der letzte Gelegenheit – Zuschauer, dass Patrick Bernecker einen Kölner Haie – Eierbecher zu Hause hat. Aber die Serie entscheiden nicht die Fans, nicht die Schiedsrichter, nicht Thomas Sabo und auch nicht die Kommentatoren. Nach dem zweiten Drittel war die Stimmung wieder auf dem Tiefpunkt, entschieden war aber (zu dem Zeitpunkt) noch gar nichts. 

Ich habe Leo Pföderl an dieser Stelle im vergangenen Blog nach dem zweiten Auswärtsspiel in Köln einen Heiratsantrag gemacht. Ich habe heute kein Ass mehr im Ärmel, keine Formulierung, kein gar nichts. ich habe einfach keine Mittel mehr, die Leistung und die Wichtigkeit von Leo Pföderl in dieser Play Off Serie zu beschreiben. Leo, DU BIST BOMBASTISCH, DU BIST GRANDIOS. Und ich bitte darum, dass Du auch im Heimspiel den entscheidenden Treffer machst. Grandios war aber auch die Abwehrleistung der THOMAS SABO Ice Tigers im dritten Drittel. In den restlichen neun Minuten hat die Mannschaft von Rob Wilson de facto nichts mehr zugelassen und sicherte sich völlig verdient den Ausgleich in der Serie. Auch Niklas Treutle zeigte allen Facebook Kritikern und Experten mit seinem Weltklasse Safe zu Beginn des Drittels, dass er definitiv ein guter Torhüter ist und kein Manko im Kader der Nürnberger darstellt.

Foto: Birgit Eiblmaier
Foto: Birgit Eiblmaier

Serien Ausgleich schön und gut, noch besser kann es aber am Freitagabend zu Hause aussehen. Die THOMAS SABO Ice Tigerskönnen vor ausverkaufter Halle, die mit Sicherheit noch mehr brodeln wird als im zweiten Spiel, die Serienführung übernehmen und mit dem vierten Auswärtssieg in der Lanxess Arena den Einzug ins Halbfinale schaffen. Das Gleiche kann aber auch den Kölner Haien gelingen. Hier gilt: Aufpassen, disziplinierter werden, bissig bleiben und Serienführung holen. Auch wenn es manche Fans nicht ganz perfekt zeigen können…

Kommentar schreiben

Kommentare: 0