Good Buck, bad Buck!

Pfeifkonzerte und Schmäh-Gesänge: Brandon Bucks "Rückkehr nach Ingolstadt". (Foto: Birgit Eiblmaier)
Pfeifkonzerte und Schmäh-Gesänge: Brandon Bucks "Rückkehr nach Ingolstadt". (Foto: Birgit Eiblmaier)

Vor dem Spiel warnte mich ein Ordner davor, wie böse dieser Buck sei. Er bemitleide Nürnberg, dass Brandon Buck nun einer von den Tigern sei. Ich versicherte ihm, dass dieser Brandon Buck in den ersten Wochen zusammen mit Chris Brown und Jason Bast die beste Nürnberger Reihe abgab und das bislang niemand bereut, diesen Brandon Buck unter den Tigern zu haben. Besonders nette Worte fanden aber auch dann nicht den Weg über des Ordners Lippen. Auch der Stadionsprecher bediente sich einer unglaublich sagenhaft künstlerischen Pause, als er Brandon Bucks Namen sagte, nachdem er Geburtstagskind Marcus Weber mit drohenden Worten des Eises verbannte, da die Aufwärmzeit bereits vier Sekunden beendet war. Das Publikum nahm die Buck-Pause dankend an und bescherte der Nürnberger Nummer neun ein lautstarkes Pfeifkonzert. Erst als dieses wunderbare Geräusch verstummte, ging es mit der Aufstellung weiter. Man kostete es aus, Brandon Buck zu zeigen, was für ein "Bad Buck" er ist. Und Brandon Buck nahm es unbeeindruckt hin, weil er sich seines "Good Bucks" in Nürnberg bewusst ist. So oder so: Die Stimmung war gut. Ob der Hauptsponsor des Teams, welches wohl nie deutscher Meister sein wird, wirklich so negativ ist, wie vor Ort gesungen, wage ich stark zu bezweifeln. Ja. Eigentlich war dieses Derby am Freitagabend vor feiner Derby-Kulisse der perfekte Tag für einen perfekten Auswärtssieg. Nun ja, dann aber leider nur eigentlich. 

Nahezu alle Gegentore des Derbys waren vermeidbar. Nachdem Dupuis den Puck ehrenvoll in der gegnerischen Zone ergattert, gibt er die Scheibe grundlos an die gegnerischen Stürmer ab. Dazwischen vergehen keine zwei Sekunden. Vier Pässe später liegt der Puck im Tor. Schon zuvor begeht Dupuis Teamkollege Milan Jurcina einen Fehler, der zum Ausgleich führte. Leider erlaubt sich der Slowake (nicht nur in diesem Spiel) zu viele langsame Reaktionen und Stellungsfehler, die nicht selten zu Gegentoren führen. Dennoch bekommt er lediglich weniger Eiszeit als Taylor Aronson und Shawn Lalonde. In Zahlen sind das beim Derby satte siebzehn Minuten Eiszeit, die das momentan schwächste Nürnberger Abwehr-Glied bekommt. Währenddessen beteiligt er sich an drei von vier Gegentoren und wundert sich über zwei Minuten, die so nicht hätten klarer angeboten werden können. Währenddessen muss ein hoch motivierter Stürmer das Derby bei den Kollegen von Telekom Sport beobachten, da er zum überzähligen Ausländer wird. Die Rede ist von Dane Fox, der nicht mit dabei war. Dabei gäbe es momentan einige andere Kandidaten, denen eine Pause nicht schaden würde. Dane Fox ist mit absoluter Sicherheit nicht der Spieler, der sich in diesem Moment eine Pause verdient. Im Gegenteil: Der Kanadier bringt Power in das Nürnberger Spiel und verwertet Chancen, wie er es in Berlin getan hat. Dem sportlichen Leiter Kompetenzen absprechen wäre verkehrt. Die aktuelle Strategie der Team-Zusammenstellung allerdings ebenso. Es bleibt zu hoffen, dass sich dies nach der Länderspiel-Pause ändert. 

Foto: Birgit Eiblmaier
Foto: Birgit Eiblmaier

Die Leistung der Schiedsrichter war besorgniserregend. Die Präsenz der Schiedsrichter nahezu beschämend. Die Behauptung zu tätigen, dass eines der beiden Teams bevorzugt wurde, ist Schwachsinn. Bevorzugt wurde in dieser Partie niemand. Allerdings war schockierend, welch beeindruckende Macht die heimischen Zuschauer ausübten. So entschieden sich die Schiedsrichter nach dem Ingolstädter Pfostentreffer, nicht zum Videobeweis zu gehen. Das endete mit einem exzessiven Emotionsausbruch der gesamten Saturn Arena. Dies wiederum führte dazu, dass die Schiedsrichter tatsächlich den Videobeweis anwendeten und das obwohl bereits angezeigt wurde, dass weitergespielt wird. Es dauerte keine zwanzig Sekunden, da kam der Hauptschiedsrichter zurück und bestätigte die Entscheidung auf dem Eis. Ich möchte nicht sagen, ich wäre in dem Moment amüsiert gewesen. Allerdings möchte ich dennoch vermuten, dass es eine solche Situation in Nürnberg niemals gegeben hätte. Mindestens genauso spannend war der gegen Bender ausgesprochene hohe Stock, den es so nie gegeben hat. Keiner der vier Schiedsrichter hat den Moment gesehen, indem der Schläger hochging. Keiner der vier Schiedsrichter war sich mehr sicher, ob Bender überhaupt beteiligt war. Scheinbar reichte diesmal eine reine Vermutung dazu aus, Nürnberg in Unterzahl agieren zu lassen. Nochmal, falls es noch nicht klar geworden ist: Bender war an der Spielsituation überhaupt nicht beteiligt gewesen. Daraus resultierte das zwischenzeitliche 3:1. Kurz zusammengefasst lässt sich festhalten: Die Schiedsrichter übersahen hier und da ein Stockschlag gegen Nürnberg, zeigten keine Sicherheit, ließen sich vom Publikum beeinflussen und sahen Nürnberger Vergehen, die es so gar nicht gab. Schuld an der Niederlage waren die Schiedsrichter natürlich nicht. Aber sie waren ein auffälliger Faktor, der nicht schweigend mitgetragen werden sollte. 

Nachdem wir nun die Frage um Dane Fox und die Schiedsrichter bearbeitet haben, ist es an der Zeit, die drei auffälligsten Spieler vorzustellen: 

  • Wer hätte das gedacht, dass dieser junge Spieler Anfang November die wichtigen Tore macht. Auch wenn das 0:1 am Ende zu keinem Sieg führte, eröffnete Kislinger mit seinem dritten Treffer im IceTigers-Trikot seinen Teamkollegen zumindest die Chance, die Kontrolle über das Spiel zu übernehmen. Das gelang am Ende nicht. Dafür aber gelang es am Mittwochabend gegen Straubing. Max Kislinger ist das perfekte Beispiel dafür, dass junge Talente ausreichend Eiszeit benötigen. Gerade in dieser schweren Zeit die optimale Chance für den 21-jährigen aus Garmisch-Patenkirchen, sich zu beweisen und nach mehr als nur der vierten Reihe zu greifen.  
  • Der Kapitän Patrick Reimer zeigte im Mittelabschnitt, dass er zur Stelle sein kann, wenn seine Teamkollegen angegangen werden. Reimer forderte sein Gegenüber sogar zum Kampf auf, der aber ablehnte. Ja, der Nürnberger Kapitän durchlebt keine leichten Zeiten. Allerdings neigen Eishockey-Fans schnell dazu, gute Taten zu vergessen. Nicht umsonst war Reimer jahrelang der beste Stürmer der Liga. Nicht umsonst verbindet man das Nürnberger Eishockey mit dem Mann, der sehr stark daran beteiligt war, als dieses Team vor einigen Jahren aus der Krise gezogen wurde. Man wird vermutlich nicht mehr allzu viel von Reimer erwarten dürfen. Den nötigen Willen absprechen sollte man ihm aber nicht.
  • Das muss an dieser Stelle nochmal erwähnt werden: Auch diesmal lag es nicht am Torwart. Auch wenn es zahlreiche Fans gibt, die nicht beiden Torhütern dasselbe Vertrauen schenken, stehen in Nürnberg momentan zwei sehr gute Torhüter im Kader. In diesen Zeiten macht es keinen Unterschied, welcher der beiden Torhüter im Tor steht. Wenn die Teamkollegen schlecht verteidigen, kann auch der beste Torwart nichts mehr ausrichten. Das dritte Lob geht damit an Andreas Jenike und Niklas Treutle.
Foto: Birgit Eiblmaier
Foto: Birgit Eiblmaier

In diesem Augenblick schlägt die Uhr 04:24 Uhr. Es ist Zeit, diese kurze Analyse zur Derby-Niederlage zu beenden. Denn schon am Sonntagabend verabschiedet sich das Nürnberger Eishockey in eine Pause, die dem Team die Möglichkeit gibt, Energie zu sammeln. Nach der Länderspiel-Pause ist es dann an der Zeit, eine Siegesserie zu starten. Auch dann ist immer noch alles möglich. Man schaue hierzu ein Jahr zurück: Mannheim belegte bis Januar den zwölften Tabellenplatz. Am Ende der Hauptrunde gelang den Adlern sogar die direkte Qualifikation für das Viertelfinale. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die Recherche von Torben Ritter.

Zu locker nehmen sollte man die Situation natürlich nicht. Panik aber wäre unangebracht.

Und bis dahin: Good Buck, bad Buck! 

Auch nach diesem Derby gab es natürlich ein Interview, welches in den kommenden Tagen nochmals im Nürnberger Rundfunk gehört werden kann. Für alle, die es nicht erwarten können, gibt es das Interview mit dem einzigen Torschützen des Spiels Maximilian Kislinger (präsentiert von ON THAT ASS) hier zum Nachhören. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Dominic (Samstag, 03 November 2018 17:06)

    Drei Dinge dinf jetzt entschiedend:

    1. Wir brauchen einen richtigen Trainer (und die dazugehörige Erkenntnis der Verantwortlichen)!!
    2. Wir brauchen ein System!!
    3. Eir brauchen einen Anführer im Team!!!
    Optional 4. Wir brauchen ein funktionierendes Power Play (aber das wäre zuviel des Guten!!!!)