Sieh's mal Pföderl!

[Foto: Birgit Eiblmaier]
[Foto: Birgit Eiblmaier]

Vier Punkte aus zwei Spielen: Oliver Mebus zeigte sich nach der Partie durchaus zufrieden mit dieser Bilanz, auch wenn er natürlich besonders deutlich betonte, dass Sportler niemals glücklich damit sein dürfen, nicht das Maximum geholt zu haben. Doch tatsächlich stand dieses Derby sinnbildlich für den bisherigen Saisonverlauf. Nürnberg kontrollierte die Partie weitestgehend und gab das Zepter selbstverschuldet an den Gegner ab. Gründe dafür gibt es sicher viele.

 

Wege damit umzugehen natürlich auch. Es gibt Eishockeyspieler, die werfen Schläger gegen die Wand. Dann gibt es Eishockeyspieler, die nur mit dem Kopf schütteln. Und dann gibt es Leo Pföderl. Pföderl passt in kein Eishockeyspieler-Schema. Die Nummer 93 bewahrt (fast) immer einen kühlen Kopf und treibt zeitgleich mit einem sadistischen Grinsen im Gesicht eine Horde von verzweifelten Journalisten in den Wahnsinn. Ja, diesen Leo Pföderl bringt absolut nichts aus dem Konzept. Keine Eskalationen gegen Yasin Ehliz („Hauptsache laut!“), keine Torflauten („des kimmt scho!“) und schon gar keine panischen Fans („ja mei, schee is es klar ned“). Mei, schön war dieses Derby auch nur bis zur 53. Spielminute. Die Nürnberger Eishockeywelt, die am Freitagabend noch so perfekt war, zerspringt innerhalb von sechs Minuten in tausend Stücke. Dabei holt Nürnberg vier wichtige Punkte, die den Abstand auf Platz zehn zumindest um zwei Zähler verkürzen. Bevor die Kommentarspalten auch diesmal wieder überhitzen, sei eins gesagt:

Seht es mal Pföderl, dann schaut die Sache schon ganz anders aus. 

Wenn wir schon von Leo Pföderl sprechen: Der Nummer 93 scheint es wieder Spaß zu bereiten, im Trikot der IceTigers zu stürmen. Er gibt Vollgas, grinst nach Toren und hebt sogar, aufgepasst, beide Hände zum Jubeln (!). Das ist sensationell, das hat Nürnberg vermisst. Sein Tor zum 2:2 Ausgleich im Power Play war enorm wichtig. Dasselbe gilt für seine Vorlage auf Tim Bender, dessen Geduldsspiel sich ebenfalls auszahlte (zumindest mit dem zwischenzeitlichen 3:5-Führungstreffer).

 

In diesem Derby vermisste man anfangs die Sicherheit des Teams. Die Sicherheit, die das sehr gelungene Heimspiel gegen München so sehr prägte. Das galt auch für Niklas Treutle, der nicht unbedingt den sichersten Anschein machte (allerdings keineswegs für den Punkteverlust verantwortlich ist). Auch Shawn Lalonde verlor den Puck in der eigenen Zone, als er versuchte den schnellen Spielaufbau über Jason Bast einzuleiten. Lalonde machte das aber spätestens mit dem wunderbaren Treffer zum 1:1 wieder gut.

Bestraft wurde das erste Unterzahlspiel, als Steven Seigo ein bisschen zu viel Raum vom Abwehrduo bekam. Auch das 2:1, 4:5 und 5:5 fielen im Power Play. Das fränkische Unterzahlspiel entpuppte sich (erneut) als Schwachstelle. 

Im Mittelabschnitt passierte es dann endlich: Steven Reinprecht stand offensichtlich noch im Stau und verspätete sich (um zwanzig Minuten). Das Team vermittelte tatsächlich den Eindruck, als ob Reinprecht (nur für die sechs Punkte) seinen Aufenthalt in Nürnberg verlängert hätte. Das Tor von Chris Brown war die Kirsche auf der Torte. Browns Ausführung war sensationell, der Jubel des Teams ebenso. Die gesamte Bank sprang auf und freute sich lautstark über das 2:4. Ja, die Tiger wirkten nach langer Zeit mal wieder wie ein „echtes Team“. Das ist erfreulich und eines der besten Plus-Momente an diesem Wochenende. 

[Foto: Birgit Eiblmaier]
[Foto: Birgit Eiblmaier]

Apropos, Chris Brown: Der Penalty-Schuss in der Overtime war schwach (aber zu dem Zeitpunkt noch verkraftbar). Der Penalty-Schuss beim Penalty-Schießen war nicht viel besser. Genauso wie der Moment nach dem 4:5-Anschlusstreffer, als Brown das leere Tor verfehlte. Ja, alleine dieser (Topscorer) Chris Brown hätte das so wünschenswerte sechs Punkte Wochenende sichern können. 

Apropos, Penalty-Schießen: Die Auswahl der potentiellen Torschützen war (aus meiner Sicht) nicht nachvollziehbar. Ich habe mich (wirklich) nicht verhört, als Martin Jiranek lautstark Will Acton aufrief und ihm zustimmend zunickte. Die Nummer 41 aber vergab die Chance darauf, der Gamewinner zu werden. Verwunderlich ist das nicht. In der momentanen Situation wäre es angebracht gewesen, die heißesten Kandidaten antreten zu lassen. Der richtige Zeitpunkt dafür, das vermeintlich schwächste Glied aufzubauen, war definitiv nicht die K.O.-Runde im Penalty-Schießen. Ja, der Gedanke von Martin Jiranek ist lobenswert. Ja, sein Vorgänger Rob Wilson profitierte von kuriosen Eingebungen. Aber nicht zu diesem Zeitpunkt. 

Straubing sichert sich im Penalty-Schießen den Extra-Punkt! [Foto: Birgit Eiblmaier]
Straubing sichert sich im Penalty-Schießen den Extra-Punkt! [Foto: Birgit Eiblmaier]
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Es folgen, wie immer vor dem Schlusswort, die drei Auffälligkeiten des Spiels (präsentiert von Spotify Germany): 

  • Marcus Weber machte kein gutes Spiel. Sein Stockschlag-Foul ermöglichte Straubing den Anschlusstreffer im Schlussdrittel. Auch wenn Jiranek mit dem Schiedsrichter schimpfte, war die Entscheidung korrekt. Weber ärgerte sich nach dem Spiel, warf seinen Schläger gegen die Wand und „beteiligte“ sich zuvor bei drei von fünf Gegentoren. Noch ist Weber der beste Plus/Minus-Verteidiger. Um das halten zu können, muss zeitnah eine deutliche Leistungssteigerung folgen. Dass er einer der stabilsten Abwehrspieler sein kann, hat er in den ersten Wochen unter Beweis gestellt. Für die IceTigers bleibt zu hoffen, dass er zu seiner alten Form zurückfindet. 
  • Patrick Reimer muss zweifelsohne erwähnt und gelobt werden: Das Derby war das zweite Spiel in Folge, indem der Kapitän traf. Reimer zeigt ununterbrochen Ehrgeiz und Kampfgeist, der sich nun auch wieder bezahlt macht. Patrick Reimer ist ein stiller Leader, der in letzter Zeit viel öfter lacht. Die Freude ist auch bei seinen Teamkollegen groß. Das zeigt, wie sehr die Nummer 17 geschätzt wird. 
  • Tim Bender zeigt schwankende Leistungen. Zu Beginn der Saison präsentierte er sich gut. Danach zeigte seine Leistungskurve nach unten. Den „Tiefpunkt“ erreichte Bender beim Auswärtsspiel in Augsburg. Danach aber ging es wieder aufwärts. Nach diesem Wochenende kann man ein klares Plus bei der Nummer 77 verzeichnen, die sich dafür auch mit dem wunderbaren Treffer zum zwischenzeitlichen 3:5 belohnte.
Tim Bender mit dem Treffer zur zwischenzeitlichen 3:5-Führung! [Foto: Birgit Eiblmaier]
Tim Bender mit dem Treffer zur zwischenzeitlichen 3:5-Führung! [Foto: Birgit Eiblmaier]

Das Schlusswort fällt positiv aus: Auch wenn die Niederlage in Straubing unnötig war, kann dieses Eishockey-Wochenende Mut machen. Diese Nürnberger Mannschaft ist in der Tat in der Lage, Spiele zu gewinnen und Punkte aus der Hand zu geben. Allerdings sind das eher disziplinarische Schwierigkeiten, die noch besser kontrolliert werden müssen. Dennoch darf man diesmal mit Zuversicht in die neue Woche gehen. Bremerhaven und Schwenningen sind schlagbare Gegner - vor allem aber auch zwei Partien, aus denen sechs Punkte goldwert wären. Zur richtigen Einstimmung empfiehlt sich das Magazin, dass heute erstmals um 19:30 Uhr ausgestrahlt wird. Nicht vergessen, einschalten!

 

Und bis dahin: Seht es mal Pföderl! 

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Kommentare: 1
  • #1

    Jan (Montag, 10 Dezember 2018 08:35)

    Sehr gut geschriebener Blog, Oli! #keepfightingicetigers