Actons Schwarzwald-Koma

Foto: Birgit Eiblmaier
Foto: Birgit Eiblmaier

Der ehemalige König von Schwenningen tat viel, während er seine Zeit im Schwarzwald verbrachte. Er schoss Tore, brachte sein Team voran und die Ränge zum Beben. Verlässt der König sein Reich, vergessen die Anhänger seine guten Taten. So zumindest zeigte sich die Mehrheit der Fans. Sein Name schlich immer noch leise in den Gängen der Helios Arena herum. Ruhm und Ehre erntete Will Acton bei seiner Rückkehr in die "alte Heimat" aber nicht. Bereits beim Warm-up überwogen schrille Töne und Buh-Sounds die Atmosphäre. Acton beeindruckte das nicht wirklich. Er mied den Blickkontakt mit seinen Ex-Untertanen, schaute aufs Eis und fokussierte sich auf die wichtigen Dinge. Aufgefallen ist er während der Partie nicht. Er wirkte blass und unbeteiligt, als wolle er bestenfalls überhaupt nicht ins Spiel eingreifen. Er ging Zweikämpfen aus dem Weg, schoss kaum aufs Tor und ließ sich im Alleingang in der Verlängerung einholen. Viele Freunde hat Acton in Schwenningen wohl dennoch nicht mehr. Ja, es machte den Anschein, als ob er im ersten Auswärtsspiel der Saison nicht der ausschlaggebende Faktor hat werden wollen. Auch der Polizist an seiner Seite, der gerne mal Reporter sprachlos, schweißgebadet und völlig überfordert zurücklässt und dabei unwissend grinst, blieb ohne Erfolg. An dieser Stelle gebührt Photoshop-Bernd viel Ruhm und Ehre. Das bislang wohl humorvollste Blog-Cover des Jahres. 

Foto: Photoshop-Bernd - Leo Pföderl und Will Acton.
Foto: Photoshop-Bernd - Leo Pföderl und Will Acton.

Im ersten Drittel wurde sehr schnell deutlich, wo der Unterschied zwischen den beiden Teams lag. Schwenningen machte keine schlechte Partie, zog aber in den meisten Fällen brutal schräg am Tor vorbei. Ähnlich schräg vorbei zog Patrick Reimer, der mehrmals Chancen hatte und immer vergab. Der Kapitän wird wohl nie mehr ein Top-Scorer sein. Das muss er aber auch nicht mehr. Beide Teams zeigten ausnahmslos grausame Power Plays. Ändern könnte sich das mit dem Einsatz von Neuzugang Shawn Lalonde, der noch nicht dabei war. Die momentanen Überzahl-Reihen bewegen sich schnell und bringen optische Gefahr ins Spiel. Die Scheibe ins Tor zu bekommen gelang nach dem hohen Sieg gegen Wien nur noch sparsam. 

Das beste Special-Team der Liga werden die Tiger wohl nie sein. Ärgern muss das niemanden, wenn man bedenkt, dass die zwei besten Überzahl-Teams der vergangenen Saison die Play-Offs verpassten. 

Foto: Birgit Eiblmaier - Dominanz der IceTigers im ersten Drittel.
Foto: Birgit Eiblmaier - Dominanz der IceTigers im ersten Drittel.
Am Samstag, den 22.09. startet die Nürnberger Jugend in die neue Saison. Das Spiel gibt es in unserem Live-Ticker zum mitlesen.
Am Samstag, den 22.09. startet die Nürnberger Jugend in die neue Saison. Das Spiel gibt es in unserem Live-Ticker zum mitlesen.

Für Tim Bender interessierte sich (zumindest von den heimischen Fans) kein Mensch. Dabei machte Bender seine Arbeit gut, passte sogar genial zu Philippe Dupuis, der zum zweiten Mal alleine vor Strahlmeier stand. Dupuis vergab, Schwenningen belohnte mit Applaus. Mit Applaus belohnt wurde das Herzblut der Hausherren, die viel investierten. Während Nürnberg im ersten Drittel dominant war und kaum Kontrolle abgab, konzentrierte sich Kevin Gaudets Kader eher auf die Abwehrleistung. Wie schon beim Auswärtsspiel in Hradec Králové waren strategische Ähnlichkeiten mit seinem Vorgänger Rob Wilson erkennbar. Auswärts gibt es bislang keine Unterschiede zur Vorsaison. 

Spätestens sechs Minuten vor Schluss schmunzelte Kevin Gaudet dann doch das erste Mal. Brandon Buck war zu nachlässig, als Ville Korhonen im Power Play Gas gab. Niklas Treutle blieb chancenlos. Da war nichts zu retten. Auch mit einer erschreckend schlechten Chancenverwertung musste diese Chance mit dem Ausgleich enden. Die Zuschauer waren euphorisiert, die Schwenninger beflügelt. Die Abwehr wackelte. Die Schiedsrichter aber übersahen mindestens zwei hohe Schläger. Nürnberg kam gut davon. Dass Brett Festerling 0,19 Sekunden vor Schluss noch den Führungstreffer erzielt ist sehr glücklich. Das Tor zählte vollkommen richtig, auch wenn das Dustin Strahlmeier und 99% der anwesenden Fans nicht wahrhaben wollten. Und schon war Tim Bender doch zur Zielscheibe geworden, nachdem er vom Drittelpausen-Interview bei Telekom Sport in die Kabine ging. Die drei neuen Schwenninger Feinde waren nach zwei gespielten Drittel die Schiedsrichter, Tim Bender und natürlich Will Acton. 

Foto: Birgit Eiblmaier - Schwenningen plötzlich im Angriffsmodus.
Foto: Birgit Eiblmaier - Schwenningen plötzlich im Angriffsmodus.

Im Schlussdrittel ermüdete Nürnberg schlagartig. Schwenningen witterte Chancen. Die Lautstärke stieg an. Das geschah aber vor allem deshalb, weil das heimische Publikum scheinbar noch nicht ganz aus der Sommerpause zurück war. Die Schiedsrichter verloren die Kontrolle über das Spiel, benachteiligten dabei aber keines der beiden Teams. Im Nürnberger Gral wäre das bei dem Spielstand kurz vor Schluss sicher nicht anders gewesen. Der Rest ist schnell analysiert: Der Ausgleichstreffer fiel mit grandioser Vorankündigung. Schwenningen klingelte, klopfte und traf dann zum 2:2. Überrascht war davon wohl kaum einer. Auch das 3:2 kam nicht unerwartet. 

Hätte Tobias Wörle das leere Tor nicht getroffen, wäre ein Sieg schon fast unverschämt gewesen. So nahm Nürnberg mal eben "nur einen Punkt" mit. Zum Schluss muss eine kleine Endabrechnung sein. Da es wohl keine 3 Stars gab, sind es diesmal drei Auffälligkeiten:

  • Milan Jurcina muss seine unnötige Härte schnellstmöglich abstellen. Der 115 Kilo schwere Slowake macht dem Gegner zwar immer noch Angst, wird bei seinem Ex-Bomben-Schuss aber nicht mehr gefährlich. Wenn es geht, meidet er Zweikämpfe. Nimmt er sie doch an, endet das in den meisten Fällen mit einer völlig sinnlosen Unterzahl-Situation. Dennoch genießt er zusammen mit Marcus Weber eine der höchsten Eiszeiten. Wahrscheinlich wird das nicht lange so bleiben, wenn das Lazarett kleiner wird. 
  • Tim Bender ist genial. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sein Humor oder seine Spielweise ist. Beides überzeugt makellos. Ähnlich wie bei Daniel Weiß hätte mit so einer guten Leistung wohl kaum einer gerechnet, als man den vermeintlichen "Durchschnitts-Verteidiger" aus Schwenningen holte. 
  • Auch heute ist er durchaus eine Erwähnung wert: Niklas Treutle hätte im ersten DEL-Spiel kein einziges Tor verhindern können. Alle Treffer waren unhaltbar. Es bleibt spannend, wer am Sonntag gegen Berlin im Tor steht. Bleibt man beim CHL-Rhythmus wird es Andy Jenike sein. Auch in diesem Fall wäre der Torraum gut versorgt. 

Mittlerweile ist es 04:23 Uhr. Kollegin Birgit Eiblmaier (an dieser Stelle ein großes Lob an die heutigen Blog-Fotos) hat mich erfolgreich abgesetzt. Damit ist es Zeit für das Schlusswort:  

 

Absteigen wird man in dieser Saison sicher nicht. Das ist theoretisch und praktisch gesehen nämlich gar nicht möglich. Die Nürnberger Social Media Community aber ist sich sicher, dass die Niederlage im Schwarzwald der Beginn des Weltuntergangs ist. Das kann am Sonntagabend um 19:28 Uhr schon ganz anders aussehen. Werden Rechnungen mit Berlin beglichen, wird dieses Nürnberger Team problemlos Meister.

 

So oder so ist es am Ende nur ein Spiel von ZWEIUNDFÜNFZIG

 

Deinen nächsten Eishockey-Blog gibt es am Samstag in einer Woche

nach dem Auswärtsspiel bei den Adler Mannheim.

 

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