Brandon Buck backhanded zwei Punkte!

Das Siegtorschütze im Penalty-Schießen: Brandon Buck (Foto: Bianca Ebenhöch)
Das Siegtorschütze im Penalty-Schießen: Brandon Buck (Foto: Bianca Ebenhöch)

Ja, es waren fünf Wochen ohne einen einzigen Blogeintrag. In diesen fünf Wochen ist viel passiert. Der schlechteste Neuzugang der Welt und zeitgleich ehemaliger Schwanenkönig läuft mittlerweile als drittbester Stürmer auf. Der Kapitän, der schon Jahre über seinem Zenit spielt, dreht Spiele und trifft kontinuierlich sicher. Die Mannschaft, die sowieso keinerlei Chancen auf die Play-Offs hat, steht plötzlich auf Platz zehn. Im Augsburger Zoo wird ein Alpaka-Baby geboren und zur Enttäuschung mancher Akteure der Südkurve ist Eishockey in Augsburg für Alle, doch gibt es dort trotzdem nicht nur Schwule im Curt-Frenzel-Stadion. Dafür einen sehr reizenden Rollstuhlfahrer, der an diesem Derbyabend seinen Traum erfüllt und das Eröffnungsbully wirft. Seine Panther verlieren trotzdem.

Daniel Weiß hat offenbar keine Freunde im schwäbischen Augsburg. Dreizehn Minuten auf dem Eis des Curt-Frenzel-Stadions reichten einem, besonders ausgeglichenen, Zuschauer (leicht südlich von Bobs Terrasse) für einen Wutausbruch besonderer Art. Der äußerst sympathische Brillenträger durchlebte alle Phasen: erst erklärte er seinem Sitznachbarn energisch das Ausmaß seiner Stimmungslage, dann stellte er sich sogar hin. Sein Kopf lief rot an (er lief hier offenbar zur Höchstform auf). Als Weiß vom Handshake auf die Kabine zufuhr, legte er los. Es flogen Schimpfwörter durch die Luft, ich ging sicherheitshalber schnell in Deckung und versteckte mich hinter einer Fotografin, die den cool grinsenden Mike Flanagan ablichtete. Als es bereits nach einer Sprungeinlage über das Geländer in den Kabinengang aussah, reagierte Weiß mit Luftküsschen und Applaus. Im Interview sagte er, dass das auswärts immer so sei. Danach freute er sich über zwei (leicht unverdiente) Punkte.

Daniel Weiß, Stürmer Thomas Sabo Ice Tigers, in Diskussion mit Schiedsrichter, Oliver Winkler
Keine Sympathien für Daniel Weiß in Augsburg (Foto: Bianca Ebenhöch)

Fünf Minuten waren gespielt, drei Strafen für Augsburg konsequent ignoriert. Das gilt für den späten Check, den hohen Schläger und das schon viel zu offensichtliche Beinstellen. Auch bei einem „wir-lassen-alles-laufen“-Maßstab, muss Nürnberg hier mindestens vier Minuten Überzahl spielen. Nach dem ersten Drittel sind es exakt null. Das Spiel verlief mit einer bemerkenswerten Geschwindigkeit. Das ermöglichte beiden Mannschaften, von Anfang an, etliche Chancen. Das Passspiel stimmte bei den Panthern nicht, bei den Tigern noch viel weniger. Trotzdem ließ das erste Tor fast zehn Minuten auf sich warten. Das lag vor allem an Niklas Treutle, der ein hervorragendes Spiel machte und noch viel mehr an der Nürnberger Chancenverwertung. Nach zehn Minuten, mit mindestens drei guten Torchancen, machten die asozialen Franken eklatante Fehler. Erst einmal, dann zweimal und dann auch noch ein drittes Mal fuhr Augsburg mit mindestens einem Mann mehr auf Treutle zu. Bei Sahir Gills Versuch blieb Nürnbergs Schildkröte erstmals chancenlos. Patrick Reimer, dessen Leistungskurve konstant nach oben zeigt, hat aber das perfekte Auge für CleverFit-Pföderl. Siebzehn, Clever Fit – abgefälscht, Tor.

Patrick Reimer und Leo Pföderl mit großem Anteil an zwei Punkten in Augsburg (Foto: Birgit Eiblmaier)
Patrick Reimer und Leo Pföderl mit großem Anteil an zwei Punkten in Augsburg (Foto: Birgit Eiblmaier)

In der ersten Drittelpause entschieden sich die Schiedsrichter für einen anderen Maßstab. Und prompt hagelte es fränkische Strafminuten. In der 36. Spielminute war nicht nur Taylor Aronson darüber verwundert, dass das leichte Schubsen des Gegenspielers zwei Strafminuten für übertriebene Härte mit sich zieht. Im gesamten Spiel gab es (ansatzweise) zwölf ähnliche Situationen. Allesamt ohne Strafe. Das Augsburger Publikum nahm die Strafen natürlich mit Freude an, eskalierte im Schlussabschnitt aber, da nun auch die Panther auf die Strafbank versetzt wurden. Im Hinblick auf die ersten fünf Minuten des Spiels und (fast) das gesamte zweite Drittel, ist die Reaktion des Publikums mit einem Schmunzeln abzustempeln. Patrick Reimer ausbuhen, Taylor Aronson hassen. Den möchte ich auch haben, diesen schwäbischen Humor.

Nun, der Humor verflog gute 24 Sekunden vor Schluss des dritten Drittels. Nachdem 87,23% des Curt-Frenzel-Stadions lautstark darauf aufmerksam machten, dass Nürnberg ohne Yasin Ehliz keine Chance hätte (was realistisch betrachtet, kompletter Schwachsinn ist), zog Martin Jiranek Niklas Treutle vom Eis ab. Das kam überraschend. Zwar zeigte die Spieluhr nur noch 64 Sekunden an, das Bully war aber (auf Grund eines Abseits) außerhalb der offensiven Zone. Für den sonst so mutlosen Martin Jiranek ein riskanter Spielzug, der sich bewährt hat. Obwohl das Anspiel an die Hausherren ging, eroberte ein guter Shawn Lalonde den Puck und passte (wie aus dem Bilderbuch) auf Patrick Reimer.

Die so selbstsichere Nummer siebzehn zog ab, Acton riss die Arme schon beim Schuss in die Luft. Und er behielt recht: Olivier Roy war absolut chancenlos. In der Verlängerung zeigte Niklas Treutle erneut seine Qualitäten, während die Panther schon einen Vorgeschmack auf das Penalty-Schießen gaben. Zugegeben: Das Penalty-Schießen war nicht besonders spannend. Die drei Augsburger Schüsse waren nun wirklich nicht besonders gefährlich, nicht besonders schön und schon gar nicht gut. Aber auch das muss man erstmal halten. Treutle erfüllte seine Pflicht, Brandon Buck backhandete (ein Hoch auf diese Alliteration) den Deckel drauf. Zack, zwei Punkte.   

Der Jubel ist groß, nach dem wichtigen 2:2 Ausgleich durch Patrick Reimer (Foto: Birgit Eiblmaier)
Der Jubel ist groß, nach dem wichtigen 2:2 Ausgleich durch Patrick Reimer (Foto: Birgit Eiblmaier)

Und hier noch, um 02:32 Uhr, in aller Kürze: die besten Spieler des Spiels: 

  • Nicht nur der Ausgleichstreffer ist ein Grund dafür, den Kapitän dieser Mannschaft gleich zu Beginn der besten Spieler des Spiels zu nennen. Reimer wird Woche für Woche besser. Er punktet unermüdlich, hilft seiner Mannschaft durch schwere Phasen im Spiel und erfüllt die Rolle des Kapitäns auf dem Eis perfekt. Gelingt es Patrick Reimer, diese Phase durchzuhalten, wird er ohnehin ein enorm wichtiger Baustein für die Vorrunde der Play-Offs.
  • Nach einer kurzen, wirklich sehr kurzen, Tiefphase ist Niklas Treutle wieder bei seinen alten Leistungen zurückgekehrt. In Augsburg verhindert er im Mittelabschnitt zahlreiche Gegentreffer. In der Verlängerung vereitelte er einen Penalty-Schuss, bevor er drei weitere Versuche mühelos wegsteckte. Wenn Patrick Reimer nicht wäre, stünde Treutle auf Platz eins.
  • Und zum Schluss, auf Platz drei: der Clever Fit Toptorjäger, Leo Pföderl. Auch er schaffte es aus einer sportlich ungünstigen Phase und gehört momentan zu den wichtigsten Stürmern auf dem Eis. Noch fehlt es stellenweise leider an Zielgenauigkeit. Wenn auch diese Torchancen in vier Wochen hinter die Torhüter fliegen, gibt es hier aber keinen Anlass zur Beschwerde. Sollte Pföderl noch keinen Vertrag in Berlin unterschrieben haben, müssen die IceTigers handeln.

Da Krefeld bei den anderen Panthern verliert, baut die Mannschaft von MJ12 die Führung auf Krefeld auf vier Punkte aus. Das bedeutet allerdings noch nichts. Abgesehen davon, dass Nürnberg fortan ein Spiel verlieren kann, ohne auf den elften Platz zu fallen, ist noch nichts vorentschieden. Optimismus ist aber definitiv keine falsche Idee. Immerhin bestreiten die fränkischen Tiger, innerhalb von fünf Tagen, zwei Partien gegen die Iserlohn Roosters vom Seilersee. Mit den obligatorischen sechs Punkten und dem Pflichtsieg im Nachholspiel müssten die Pinguine aus dem Ruhrpott schon sieben Punkte aufholen. Es riecht nach Play-Offs, packt die Urlaubstage aus.

 

Und bis dahin: Luftküsschen verteilen, like Daniel Weiß.

Wie immer, gibt es das Interview nach dem Spiel nicht nur im Nürnberger Rundfunk zu hören, sondern natürlich auch hier. Daniel Weiß im Interview, nur hier, in voller Länge und unzensiert: 

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