Jiraneks Golfplatzfetischisten

Falls Sie es noch nicht wissen: Nürnberg steht im Viertelfinale der Playoffs. Das ist ein unerwarteter Meilenstein in dieser Saison. Vor dem ersten Spiel dieser Bremerhavenserie war die Nürnberger Mehrheit von klaren Niederlagen überzeugt. Drei Spiele später ist man noch immer nicht schlauer. Was diese Mannschaft kann und was diese Mannschaft am Ende auf dem Eis abruft, sind zwei unterschiedliche Welten. Mal ist der Einzug in die zweite Runde verdient, mal nicht. Vor allem dann nicht, wenn diese Nürnberger Mannschaft bei einem Heimspiel fünfzehn Minuten vor Schluss mit 3:0 führt und am Ende kurz vor Mitternacht doch noch verliert. Und vor allem dann nicht, wenn dieses Nürnberger Team im ersten Drittel in Bremerhaven schockiert davon ist, mit welcher Kraft die Pinguins im hohen Norden auflaufen. Obwohl das Trainerduo mehrfach die vielen Strafzeiten thematisierte, spielte die Mannschaft im ersten Drittel offenbar Vier gewinnt. Zum Schluss des ersten Drittels waren es dann doch nur drei Strafzeiten, die auf der Spieluhr leuchteten und die Sommerpause in Franken mit Ansage einläuteten. Nur reichte das den Fischtown Pinguins (glücklicherweise) dann doch nicht dazu, die viel zu zahmen Tiger auf diverse Golfplätze Europas zu schicken. Lassen Sie mich Revue passieren und einen kurzen Ausblick auf die Viertelfinalserie geben.  

Böse Zungen behaupten, (eigentliche) Führungsspieler würden Sabotage (Sabo-Tage?) betreiben und die Ambitionen des Teams systematisch zerstören. Verstehen Sie mich nicht falsch: Die Strafzeiten vom Heyah-Verteidiger mit der Rückennummer acht waren einfach non-sense und an Frechheit nicht zu überbieten. Allerdings machte ausgerechnet Shawn Lalonde den extrem wichtigen Ausgleichstreffer im Power Play. Am Tor beteiligt waren übrigens auch Brandon Buck und Will Acton. Im Endeffekt die really-bad-guys-player aus Spiel eins und zwei. Buck ließ in Bremerhaven sein Talent für ein paar Sekunden aufblitzen, sobald er im Besitz des Pucks war. Mehr gelang ihm nicht, was aber überwiegend daran lag, dass keiner seiner Mitspieler seinen offensiven Versuchen folgte. Shawn Lalonde bekam (als Konsequenz für Overtime 1 und Overtime 2) die meiste Eiszeit von allen Verteidigern zugesprochen. Das Vertrauen gab er zurück. Fehlpässe leistete er sich trotzdem. Das galt aber auch für Leo Pföderl, dem auch nichts (aber auch wirklich gar nichts) gelingen will. Was ich sagen möchte: Keiner dieser Spieler wird versucht haben, den Ausgang des Spiels (o. der Spiele) zu beeinflussen, um den berüchtigten Golfplatzfetisch auszuleben. Das bedeutet nicht, dass die Mannschaft im Heimspiel nicht um den finalen Gegentreffer und den Ausgleich gebettelt hat. Das bedeutet auch nicht, dass diese Mannschaft ausnahmslos überdurchschnittlichen Kampfgeist zeigt. Das soll nur verdeutlichen, dass man diesen Profisportlern den Sabotage-Vorwurf einfach nicht unterstellen sollte. Am Ende war es dann trotzdem die unfassbar schlechte Effizienz Bremerhavens, die Nürnberg ins Viertelfinale schickt. Immerhin haben die Pinguins keinen einzigen Powerplay-Treffer gelandet und das obwohl Sabojiraneks-Einzelkämpferteam ihnen immerhin mehr als 27 Möglichkeiten angeboten hat.  

Die Mannschaft belohnt Fans und sich selbst nach dem Sieg mit einer Ehrenrunde! (Foto: Birgit Eiblmaier)
Die Mannschaft belohnt Fans und sich selbst nach dem Sieg mit einer Ehrenrunde! (Foto: Birgit Eiblmaier)

Patrick Reimer sagte nach dem Spiel, dass es ein sehr befreiendes Gefühl ist, die zweite Runde erreicht zu haben. Viel Zeit zum Ausruhen hat das Team nicht. Immerhin steht schon am Mittwochabend das erste Auswärtsspiel in Mannheim auf dem Programm. Ob sie sich Chancen ausrechnen? Reimer betonte, Nürnberg könne nur noch überraschen und das gefalle ihm so sehr an der kommenden Serie. Tatsächlich darf man gespannt sein, wie viele Chancen sich Nürnberg gegen Pavel Gross und seine Primus-Mannschaft erarbeiten wird. Eine Chance gibt es immer, die Playoffs haben ihre eigenen Gesetze. Jaja, blabla. Sie kennen die nervigen 0815-Quoten, die am Ende sowieso einen scheiß-Wert haben. Ab Mittwochabend, 19:30 Uhr, zeigt sich, was gegen Grosses großes Eishockey geht. 

Und, natürlich dürfen auch heute keine drei Auffälligkeiten fehlen, die Ihnen heute von der AS-media präsentiert werden:

  • Dane Fox war zwei Tage zuvor natürlich nicht einverstanden damit, dass er nicht spielen darf. Fragen Sie mich nicht, aus welchem Grund auf Fox verzichtet wurde. Die Nürnberger 74 ist eine tickende Zeitbombe, die früher oder später einfach hochgeht. Das kann gut sein, zeitgleich aber auch Gift für das Team. Beim Heimspiel war es möglicherweise clever, Fox nicht aufzustellen (wobei dafür sein Gegenpart Big Mike gleich in einem seiner ersten Wechsel eine 2+10 Strafe wegen Checks gegen den Kopf kassierte). Bei Spiel drei hielt sich Fox zurück. Chad Nehring lachte dem Nürnberger Fuchs nach seinem Tor zum 1:0 ins Gesicht. Fox bot Nehring den Kampf an, das sehr sympathische Bremerhavener Playoff-Monster aber lehnte ab. Viel wertvoller als ein möglicher Austausch von Nettigkeiten und Fäusten war der Treffer zum 2:3; der Treffer zum Viertelfinale. Gegen David Wolf ist Dane Fox eine Must-have-Personalie. 
  • Niklas Treutle ist eine Maschine. Ohne den Nürnberger Torhüter würde Mannheim nun vermutlich gegen die Eisbären Berlin spielen (und Bremerhaven gegen München). Schon im ersten Spiel verhinderte er etliche "fast sichere" Gegentore. In der Overtime vor heimischen Publikum zögerte er den absehbaren Bremerhavener Siegtreffer bis zur 100. Spielminute hinaus. Und in Spiel drei? Erneut die wichtigste Personalie auf dem Eis. In dieser Serie ist Niklas Treutle zweifellos der Man-of-the-series. Das wird sich gegen Mannheim nicht ändern.
  • Gestern wurde Tom Gilberts Name noch zahlreich erwähnt, als es im Hobbyexperten-Forum (Facebook) darum ging, welche ausländischen Spieler viel zu viel Geld kosten. Tja, dieser Gilbert sicherte Nürnberg die Chance auf das Viertelfinale und hielt (zumindest bis 26 Sekunden vor Schluss) den Titel "Gamewinner". Ohne Gilberts Tor wäre Nürnberg vielleicht erst gar nicht in die Verlängerung gekommen.
Dane Fox darf beim Heimspiel nicht spielen und macht dann den Serienwinner! (Foto: Birgit Eiblmaier)
Dane Fox darf beim Heimspiel nicht spielen und macht dann den Serienwinner! (Foto: Birgit Eiblmaier)

Diese Saison ist also noch nicht vorbei. Es stehen noch (mindestens) vier Spiele gegen den Primus aus Mannheim an. Sie wollen eine Prognose hören? Ich behaupte dreist, Nürnberg wird alle drei Heimspiele gewinnen und die Serie in ein dramatisches siebtes Spiel treiben. Was dort passiert, ist komplett offen. Natürlich ist auch ein 4:0 möglich, ein 4:1 oder 4:2. Doch das ist doch exakt das, was die Faszination Eishockey ausmacht, die Sie und ich miteinander teilen. Nach drei Blogs in acht Tagen, fast 5000 fucking-awesome-Kilometer (mit herzlichen Dank an Marco von Crazy Tours und Fotografin Birgit Eiblmaier) und unzählige Stunden auf Deutschlands Autobahn lesen Sie eine neue Ausgabe des Blogs natürlich schon am Donnerstag zum Frühstück. Dann bereits vom ersten Viertelfinale bei den Adler Mannheim. 

Und bis dahin: (Vertrauen Sie mir), Golfplätze sind auch Ende April noch schön. 

Natürlich darf auch das Interview vom Einzug ins Viertelfinale nicht fehlen (, dass Sie im Laufe des Tages auf Radio Max hören können; sowie als auch auf diversen Nürnberger Rundfunksendern). Patrick Reimer strahlte und lachte, als er vom Eis fuhr. Dieses Lächeln können Sie im nachfolgenden Interview (präsentiert von der svenskadirektreklam) hören. 

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Kommentare: 6
  • #1

    Christopher Reimer (Montag, 11 März 2019 04:28)

    Wer mit allem Ernstes an eine Sabotage glaubt, ist auch von Chemtrails überzeugt oder �.

  • #2

    Jan Langer (Montag, 11 März 2019 06:55)

    DANKE OLI! ��

  • #3

    Stephan Reimer (Montag, 11 März 2019 07:22)

    Wieder mal ein sehr guter Blog Oli. Ich hoffe wir können diese noch nach 12 Siegen der Icetigers lesen. ;-)

  • #4

    Walli zeitz (Montag, 11 März 2019 07:33)

    Der Kommentar ist genial geschrieben, wundere mich wie jemand so genau die Situation beschreiben kann....Hut ab..L. G. Walli Zeitz

  • #5

    Chris Dey (Montag, 11 März 2019 08:53)

    Gilbert ist alles nur nicht unwichtig. Nach einer nicht so guten ersten Saison merkt man doch das er in der Abwehr gefehlt. Positiv überrascht bin ich von Jurcina. Wobei ich hoffe das der große Umbruch trotzdem kommr.

  • #6

    Anne (Montag, 11 März 2019 10:49)

    Danke Oli für den, wieder einmal, guten Blogeintrag!! Zu Tommy: Er ist einer unserer wichtigsten Spieler!!