Pavelistisches Eishockey

Der Nürnberger Eishockey-Verteidiger Marcus Weber im Zweikampf mit dem Kapitän der Adler Mannheim neben Andy Jenike.
Auch ein Jahr her: Marcus Weber im Zweikampf - Foto: Birgit Eiblmaier

Geschätzte Lese-Zeit: 3-5 Minuten 

Das heutige Intro ist bitterernst: Vor einem Jahr bedrohte eine Mannheimer Gruppe Nürnberger Fans nach dem Spiel. Ich berichtete darüber, der Blog-Eintrag gehört bis heute zu den meistgelesenen Blogs meiner Blogger-Historie und überschwemmte die Bildschirme zahlreicher Eishockey-Fans in Deutschland. Im Anschluss bekam ich über zwanzig Nachrichten von der besagten Gruppe. Ich solle mich nie mehr in Mannheim zeigen, sonst würde ich nicht mehr nach Hause kommen. Den Rest muss man nicht zitieren. Das wäre unter dem Niveau dieses Blogs. Anzeige wurde nie erstattet. Vor einer Woche lehnte Mannheim dann einen Presse-Zugang ab. Damit soll das Problem angeblich gelöst sein. Die problematischen Fans stehen immer noch in der Arena, die Nürnberger Fans möchten immer noch nicht zu Auswärtsspielen anreisen - aber der Journalist berichtet nicht mehr darüber. Die wackelnde Logik bitte selbst dazu reimen. Das hätte bedeutet, dass ich keine Interviews ins Nürnberger Radio-Leben versendet hätte und hier kein Blog erschienen wäre. So leicht ist das aber nun mal nicht. Das wäre doch nicht dein Eishockey-Blog und auch nicht Oliver Winkler, wenn es nicht andere Wege gäbe. Kurz gesagt: Ein mulmiges Gefühl machte sich in mir breit, als ich mit meiner Karte als Zuschauer in die Arena ging. Ich wurde natürlich von Fans erkannt. Ich wurde angesprochen, gelobt aber nicht bedroht. Der Besuch als vermeintlicher Zuschauer zeigte eben doch, dass die Mehrheit der Fans Eishockey-Fans sind und die Drohungen hart verurteilen. Über die Entscheidung, mich nicht mehr als Journalisten in die Arena zu lassen, wurde ausnahmslos kopfschüttelnd geschmunzelt. Liebe treue Leser-Community, liebe Adler Mannheim, wie Sie sehen: Diese Ausgabe gibt es auch so. 

Die Werbepartner des heutigen Blogs haben sich übrigens dazu entschieden, den Werbepreis eigenständig zu erhöhen. Das ist Wahnsinn. Auch du kannst Dein Eishockey-Blog mit einer kleinen Tasse Mannheimer Kaffee unterstützen. Wenn nur ein paar Eishockey-Fanatiker eine Tasse spenden gewinnen wir am Ende sogar ein bisschen Taschengeld - #fürMannheim

Nie ausgesperrt: Der Eishockey-Blog für wahre Eishockey-Fans.
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Die Niederlage in Mannheim lässt sich wohl kaum in Drittel unterteilen und analysieren. Die Spielweise der Teams änderte sich während der Partie kaum bis gar nicht. Dennoch zeigte sich, dass vor allem bei Nürnberg noch viel Arbeit ansteht. 

 

Das war kein Auswärtsspiel bei unseren Grizzlys. Nein, wirklich nicht. Ich bin mir sehr sicher, dass der Gegner Mannheim war. Auch wenn die Adler durchgehend pavelistisches Eishockey zeigten. Nürnberg bekam auch diesmal Probleme damit, auch wenn es in diesem Fall nicht Rob Wilson war, der stellenweise keine strategische Antwort parat hatte. Pavel, der Freund aller Nürnberger, hat in dieser Saison natürlich viel besseres Material zur Hand. Das bedeutete allerdings nur folgendes: Mannheim tat noch erschreckend weniger als wir es von den Grizzlys kannten. Dieses "viel weniger"-Tun reichte aber leider dazu, um die THOMAS SABO Ice Tigers mit ein bisschen Übersicht zu besiegen. 

 

Die ersten zwanzig Minuten erinnerten an das Spiel gegen Kärpät Oulu. Mannheim war eindeutig überlegen, Nürnberg in den ersten Minuten chancenlos. Vor allem die Abwehr tat sich besonders schwer. Immer wieder war es Andy Jenike, der seine starken Momente zeigte und seine Teamkollegen rettete. Die gegnerischen Sturmreihen waren zu stark. Das ging zumindest solange gut, bis die Hausherren das PowerPlay-Zepter übernahmen. Das war beeindruckend. Beide Tore kamen mit Vorankündigung. Das war PowerPlay aus dem Lehrbuch. Desto mehr Mannheim in Überzahl spielte, desto schlechter sah das bei den IceTigers aus. Auch deshalb belegen die Nürnberger Special Teams im Ligavergleich den vorletzten Platz. Nur so am Rande: Die Grizzlys sind noch schlechter. 

Nürnberg vergab vor allem in der eigenen Zone sehr viele Bullys. Nur 35% der Anspiele gingen an die Ice Tigers. Auch in der neutralen Zone sah das nicht besser aus. Das erste Drittel war allgemein nicht besonders begeisternd. Da passte das Tor von Jason Bast gar nicht hin. Er machte es trotzdem und belohnte sich und seine Bemühungen völlig verdient. Wenn er sich das angewöhnen möchte, wird ihm sicher keiner böse sein. Damit steigt er im Neuzugang-Ranking. Der beste Neuzugang ist bislang Chris Brown, nachdem Acton nach seinen zwei Glanztaten in der Champions Hockey League nicht mehr zu sehen ist.  

Foto: Birgit Eiblmaier - Turbulentes erstes Drittel mit glücklichem Ausgang.
Foto: Birgit Eiblmaier - Turbulentes erstes Drittel mit glücklichem Ausgang.

Ab dem Mittelabschnitt war es durchgängig das gleiche Spiel. Mannheim nahm Geschwindigkeit aus dem Spiel. Nürnberg witterte Chancen und gab Gas. Mannheim kontrollierte das allerdings relativ problemlos. Wenn der fränkische Optimismus seinen Höhepunkt erreichte, zog Mannheim den Schlussstrich und legte wieder mit 100% los. In dem Moment war Nürnberg machtlos. Das Tor von David Wolf rundete die ganze Adler-Vorstellung optimal ab. Er hätte es nicht schöner machen können. Die Drehung und der perfekte Schuss dürfte den Tigern diese Nacht noch ein paar Mal durch den Kopf gehen. 

Im dritten Drittel machte Shawn Lalonde seine zwei Fehltritte wieder gut. Er schoss das 3:2 Anschlusstor. Schwer war das nicht, aber er machte es. Mit insgesamt sechzehn Schüssen ist Lalonde der mit Abstand aktivste Spieler des Spiels gewesen. Jeder 3. Schuss kam von Lalondes Schläger. 

Die letzten zehn Minuten waren von Tribünen-Protesten durchzogen. Die Schiedsrichter schenkten Nürnberg ein Power Play. Daraus wurde (wie bereits vor dem Überzahlspiel zu erwarten war) nichts. Die Schiedsrichter blieben Schieber und Betrüger. Sogar als Chris Brown vom Eis ging, brüllte ein Mann hinter mir, dass der Schiedsrichter doch von Thomas Sabo Geld nimmt. Zugegeben: Die Wortwahl war ein bisschen anders. Die Aussage verwirrend. Immerhin präsentierte Mannheim ein wunderschönes Power Play. Diesmal (zum Glück) ohne Ergebnis. Zum Schluss stand das Nürnberger Tor leer. Es sah nicht schlecht aus. Es hätte zum Tor kommen können, wenn geschossen worden wäre. Der Blueliner-Neuzugang stand mehrmals optimal positioniert, bekam aber die Scheibe nicht. Sein siebzehnter Schuss hätte durchaus der Ausgleich werden können. So blieb es bei der Niederlage, die angesichts des Spielverlaufs in Ordnung geht. 

Foto: Birgit Eiblmaier - Viel Verkehr vor Andy Jenike.
Foto: Birgit Eiblmaier - Viel Verkehr vor Andy Jenike.

Vor dem Schlusswort gibt es natürlich noch die drei Auffälligkeiten des Spiels (präsentiert von ON THAT ASS): 

  • Andy Jenike ist immer noch nicht schuld daran, dass Nürnberg verloren hat. Auch wenn es manch einer nicht glauben möchte: Bislang zeigen beide Torhüter sehr gute Leistungen. Allerdings muss festgestellt werden, dass die Abwehr Jenike mehrmals im Stich ließ. Das war schon beim Auswärtsspiel beim finnischen Meister so. Ab dem Mittelabschnitt in Mannheim sah das stellenweise erschreckend ähnlich aus. Immer wieder brachen Mannheimer Stürmer vollkommen ohne Gegenwehr aus und standen ein paar Sekunden später vollkommen unbedeckt vor Andy Jenike. Da kann natürlich auch der beste Torhüter nichts mehr machen. 
  • Kevin Gaudet ist immer noch ein guter Trainer. Er zeigte bislang tatsächlich schon mehr Spielweisen als Rob Wilson in den vergangen Jahren zusammen. Allerdings muss man diesmal kritisieren, dass er gegen Pavel Gross kein wirksames Mittel hatte. Es sah nicht wirklich gefährlich aus, wenn sich die IceTigers in das Angriffsdrittel wagten. Dieses Spiel ist aus strategischer Sicht nicht gelungen. Gaudet wird noch drei Versuche haben, um das passende Mittel gegen das pavelistische Eishockey zu entdecken. Findet er das nicht, könnte das in einer PlayOff-Serie gegen die Adler böse enden. 
  • Shawn Lalonde absolvierte bislang lediglich zwei Partien. Während dieser zwei Spiele schaffte er es in allen messbaren Verteidiger-Statistiken unter die TOP 5 zu kommen. Er ist sogar der torgefährlichste Verteidiger der Liga und bislang (mit Tim Bender) der einzige Spieler der IceTigers, der überhaupt im TOP 5 - Statistiken - Ranking zu sehen ist. Vor Lalonde muss man den Hut ziehen, mit ihm werden die IceTigers noch sehr viel Spaß haben. 

Apropos Spaß. Am Sonntagabend kommt es möglicherweise zum Brüderduell. Patrick Reimer steht mit absoluter Sicherheit im Kader, Jochen Reimer könnte erstmals nach seiner aktiven Zeit in Nürnberg gegen seinen Bruder im Tor antreten. Ingolstadt absolvierte bislang drei Spiele. Reimer stand bei beiden Siegen im Tor, während Timo Pielmeier die erste Saisonniederlage einstecken musste. Tauscht der Trainer die Torhüter nicht aus, wird damit Patrick Reimer erstmals wieder gegen seinen Bruder schießen. Das könnte spannend werden. 

Und bis dahin: Ich liebe Adler Mannheim. 

An dieser Stelle gibt es diesmal aus uns leider bekannten Gründen keinen Radio-Hinweis, da es leider keine Stimmen zu holen gab. Dennoch gibt es den Hinweis, am Sonntagvormittag in die Nebenhalle der Arena zu kommen. Die Nürnberger Eishockey-Junioren bestreiten um 11:45 Uhr das erste Heimspiel der Saison. Für alle Interessenten, die keine Zeit haben, gibt es das gesamte Spiel im Live-Ticker zum mitlesen. Zwei Nürnberger Fanclubs haben bereits angekündigt, lautstark vor Ort zu sein. Desto mehr Zuschauer, desto besser der Saisonstart. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Wombel (Samstag, 22 September 2018 09:18)

    Dem ist nichts hinzuzufügen.
    Genauso habe ich es auch gesehen.
    Sehr gut geschrieben.
    Man kann von Pavel halten was man mag,
    Er bringt sein Team, erst WOB, jetzt Mannheim in die Spur.
    Ob er uns auch mal gut getan hätte ? ��