Rumble allein' zu Haus

Foto: Birgit Eiblmaier
Foto: Birgit Eiblmaier

Ohne Taylor Aronson ging Nürnberg in das Sonderzug-Spiel gegen den Tabellenführer, während Chris Rumble ("die neue beliebte Nummer zehn in Nürnberg") in Bremerhaven eine Spielverzögerung und einen hohen Stock in den Spielbericht druckte. Die vermeintlich beste Liga Europas wird den Check gegen Taylor Aronson nicht mehr untersuchen. Das ist schockierend, allerdings keineswegs überraschend. Diese Liga scheint sich nicht um die Gesundheit der Spieler zu sorgen. Aus Nürnberger Sicht kann man sich leider schon positiv überrascht zeigen, dass die Schiedsrichter Rumble vom Eis stellten - und das obwohl die Unparteiischen zehn Sekunden den Arm nicht bewegten. Kurz gesagt: Das Vorgehen dieser Liga wird wohl nie ändern. Dass Rumble vor keinen weiteren Ermittlungen mehr Angst haben musst, zeigt anderen potentiellen Tätern, dass solche Aktionen anscheinend toleriert werden. Rumbles Aktion war unsportlich. Er war sich voll darüber bewusst, dass er eine schwere Verletzung seines Gegenspielers in Kauf nimmt. Das gehört nicht zum Eishockey und hat nicht mal ansatzweise etwas mit Sport zu tun. Und noch viel wichtiger: Wie möchte man angehenden Talenten vermitteln, welche Werte der Eishockeysport transportieren soll, wenn derart brutale Taten toleriert werden? Diese Frage müssen sich alle Leser selbst beantworten. 

Dieser Blog-Bericht entstand übrigens in einem ganz besonderen Sonderzug-Abteil (Wagen 3, Abteil 1). Ohne meine sechs sehr kompetenten Unterstützer wäre dieser Blog vermutlich nicht entstanden. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön. Zwischendurch mit Schnitzeln und Party-Klopfern (in der phänomenalen Wanderung durch den Zug für den Kurzbericht im Radio und das Magazin wurden es am Ende deutlich mehr Klopfer als erwartet (Zähler-Stand 01:02 Uhr: 23) versorgt zu werden, ist die bestmögliche Kulisse, die man sich für einen solchen Bericht wünschen kann. 

Auch wenn es keinen Sieg gab, muss das Spiel die 356 mitgereisten Fans entertained haben. Die Geschwindigkeit beider Teams war von der ersten bis zur letzten Minute beeindruckend. Umso mehr Respekt muss man dem stark dezimierten Nürnberger Kader zollen, der keineswegs den Anschein machte, dass das Tempo des Heimteams problematisch hätte werden können. Die DEG war schlagbar, vergab aber extrem viele Chancen. Wenn die Abschluss-Qualitäten des Tabellenführers besser wären, hätte Nürnberg auch deutlich verlieren können. Das passierte aber vor allem deshalb nicht, weil der bislang ungeschlagene Spitzenreiter Konter nicht konsequent zu Ende spielte. Der Ausgleich von Brandon Buck zeigte erneut, dass die Reihe von Jason Bast, Chris Brown und Brandon Buck momentan Nürnbergs beste Sturmreihe ist. Das erste Drittel war ausgeglichen. Auch wenn der Schiedsrichter, der dem schwedischen Torhüter kurz die Sicht nahm, bei Eric Stephans Tor zum 2:2 assistierte, ging das 2:2 nach zwanzig Minuten vollkommen in Ordnung . 

 

Patrick Köppchen sagte nach dem ersten Drittel, das er seine Ex-Kollegen gut kenne und ihm bewusst sei, wie schnell Nürnberg schaltet. Über das hohe Tempo beschwerte er sich nicht. Im Gegenteil: "Wenn ich noch mithalte und es so aussieht, als würde es mir keine Probleme bereiten, bin ich doch froh darüber". 

Nürnberg schaltete tatsächlich und kam im Mittelabschnitt immer besser ins Spiel. In diesen Momentan kamen Chancen, die zum Führungstreffer hätten führen können und stellenweise auch müssen. Die DEG biss sich an Nürnberg die Zähne aus. Das galt so lange, bis die Scheibe ungünstig gut abgefälscht wurde und zum dritten Mal hinter Andy Jenike lag. Jenike zeigte eine gute Partie, wirkte in den ersten Spielminuten allerdings ein bisschen unsicher. Die Kollegen des DEG-Radios schlugen vor, den Nürnberger Torhüter mit so vielen Schüssen wie möglich zu belagern. Es ist davon auszugehen, dass Niklas Treutle am Mittwochnachmittag gegen Red Bull München das Tor hüten wird. Alles andere widerspräche den Aussagen des Trainers, dass kein Torhüter den nominell ersten Posten bekommt. Auch das sechste Tor der Partie war eines aus der schönen Kategorie. Da beide Teams im Schlussabschnitt besonders gut abwehrten möglicherweise sogar besonders notwendig, um eine Niederlage zu verhindern. Das Team von Martin Jiranek stand immer unter Druck, musste immer nachziehen und verbrannte damit enorm viel Energie. 

Foto: Birgit Eiblmaier
Foto: Birgit Eiblmaier

Im Schlussdrittel war das Spiel entschieden. Das Tor stand leer. Einmal ging der Puck knapp vorbei, durch das Publikum jagte ein Raunen. Vier Sekunden später war der Nürnberger Torraum immer noch komplett unbesetzt. Die Abwehrspieler sprangen ein, die DEG vergab zum zweiten Mal den Schuss ins leere Tor. Wenige Augenblicke später stand Brandon Buck alleine vor dem gegnerischen Tor, scheiterte aber am heimischen Torhüter, der ebenso eine gute Partie machte. Das waren drei Momente, die das Spiel hätten entscheiden müssen. Beide Teams entschieden sich dazu, die Punkte zu teilen und es in der Overtime zu versuchen. Wie Kreis in der Pressekonferenz sagte, wäre es angebracht gewesen, wenn Nürnberg und Düsseldorf die gleiche Punktezahl mit nach Hause genommen hätten. Dass das im Eishockey leider nicht geht, merkte er im direkten Folgesatz an. Das entscheidende Tor zum 4:3 kündigte sich satte sieben Sekunden lang an. Die gegnerische Sturmreihe kommt ins Drittel, stellt sich in die notwendige Aufstellung. Ken Andre Olimb wartet bereits an der blauen Linie, bekommt den offensichtlichen Pass aus dem Slot und zieht hammerstark ab. Die Sicht ist nicht verdeckt, der Puck jagt ins Kreuz-Eck. Das Tor kam mit Ankündigung. Umso wütender war der Kapitän, als er beim Verlassen des Eises seinen Helm gegen die Wand schmetterte. Vollkommen verständlich: In der Verlängerung war alles möglich. Die DEG durchaus schlagbar. 

Wie immer stehen vor dem Schlusswort noch die interessantesten Spieler von diesem Wochenende an (wie immer, präsentiert von ON THAT ASS): 

 

 An erster Stelle kann kein Spieler stehen, sondern eine gesamte Reihe. Die B-Reihe der IceTigers zeigt bislang sehr gute Leistungen. Chris Brown, Jason Bast und Brandon Buck harmonieren optimal. Nachdem die eigentliche Nürnberger Top-Reihe mit Dane Fox, Philippe Dupuis und Brandon Segal komplett fehlt, ein Zusammenspiel von drei engagierten Spielern, auf die momentan immer Verlass ist. Die B-Reihe muss auch nach der Rückkehr der Verletzten zusammengehalten werden. 

 

Marcus Weber bleibt Nürnberg zwei weitere Jahre erhalten. Das ist ein wichtiger Schritt, wenn man die Verteidigung in den kommenden Jahren weiterhin stabilisieren möchte. Weber entwickelte sich in den vergangenen zwei Jahren enorm weiter und gehört mittlerweile zu den stabilen Bausteinen der Nürnberger Abwehrreihen. An diesem Wochenende belohnte er sich mit dem sechsten Tor gegen Bremerhaven. Nach drei Jahren Wartezeit ein Schuss-Versuch, der mal nicht knapp vorbei ging. Weber zeigt, dass viel Eiszeit und Vertrauen durchaus Potential erwecken kann. 

 

Wo wir schon von Eiszeit sprechen: Eric Stephan bekam diese Eiszeit in der Partie gegen Bremerhaven erstmals zugesprochen. Das lag vor allem daran, dass momentan nur sechs Abwehrspieler spielen können. Das bedeutet, dass sich die Einsatzzeiten von Eric Stephan in den kommenden Wochen erstmal nicht minimieren werden.  In den meisten Situationen zeigt sich Stephan noch unsicher. Allerdings zeigte er auch vielversprechende Lichtblicke, die gleich beim Sonderzug-Spiel belohnt wurden. Stephan erzielte sein zweites DEL-Tor (das erste Tor verzeichnete er übrigens im Trikot der DEG). Man gebe jungen Spielern ausreichend Eiszeit, es wird Früchte bringen.

Foto: Thomas Hahn | Junge Spieler mit mehr Eiszeit.
Foto: Thomas Hahn | Junge Spieler mit mehr Eiszeit.

Die kommenden Wochen werden nicht leicht. Nürnberg wird weiterhin mit sechs Verteidigern spielen, die in den kommenden vierzehn Tagen sechs Spiele absolvieren müssen, die extrem schwer werden können. Vor allem das Heimspiel gegen München wird ein absoluter Härtetest. Doch daraus muss man nicht nur negative Schlüsse ziehen: Das Team wird noch mehr zusammenwachsen, Herz zeigen und möglicherweise dadurch immer besser und stärker werden. Beim heutigen Schlusswort muss ausnahmsweise zitiert werden. Wie der Journalisten-Stab aus der verbotenen Stadt fachsimpelte: "Dieses Spiel können wir nicht überbewerten. Nürnberg ist stark dezimiert. Wenn wir beim zweiten Saisonspiel beide Teams mit vollen Kadern spielen wird sich zeigen, wie viel der deutsche Spitzenreiter gegen ambitionierte Nürnberger wirklich kann. Dann können wir vergleichen".

 

Und in dem Sinne - bis dahin: Frei von Verletzungen bleiben!  

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